Geburt zu Zeiten von Corona – “So hatten wir uns das nicht vorgestellt!”

1024 682 Das Kind schaukeln

Geburt zu Zeiten von Corona- so hatten wir uns das nicht vorgestellt

In den letzten 10 – 20 Jahren ist es selbstverständlich geworden, dass die Väter bei der Geburt ihrer Kinder dabei sind. Nicht nur, weil es ein wichtiges und hoch emotionales Ereignis ist, sondern auch weil ihre Anwesenheit unverzichtbarer geworden ist. Seit einigen Wochen hält ein kleiner, aber potenziell gefährlicher Keim die ganze Welt in Atem – und macht auch vor Kreissälen nicht Halt. Väter dürfen aktuell gar nicht oder nur zeitweise – mit Mundschutz und gebührendem Abstand – bei der Geburt ihres eigenen Kindes dabei sein. Die, die gerade unter diesen Umständen entbunden haben, trauern um eine Geburt, wie sie sich gewünscht haben und darüber, ihr frisches Glück nicht mit ihren Familien teilen zu können. Die anderen, deren Entbindung noch bevorsteht, die machen sich Sorgen, wie die Geburt wohl werden wird – allgemein und besonders in dieser nicht planbaren Ausnahmesituation.

Inmitten dieser Trauer, Wut, Enttäuschung und Angst, stellen sich viele aber auch die Frage, wie sie als Mutter und Vater für sich selber und für ihr Baby am besten und gesündesten mit dieser Situation umgehen. Hier ein paar Anregungen. Spüren Sie nach, was für Sie am besten passen:

  • Sie als Mutter sind bei der Geburt, auch in der Zeit, in der der Vater noch nicht da sein kann, nicht alleine, denn Sie und ihr Baby sind ein eingespieltes Team das sich seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet.
  • Sie als Vater können auch außerhalb des Kreißsaals emotional mit ihrer Frau und ihrem Baby verbunden sein.
  • Eine gute mentale Vorbereitung kann Ihnen als Familie helfen, mit der herausfordernden Situation besser umzugehen. — wie sieht die konkret aus
  • In dieser Situation, wie auch sonst im Leben, ist man handlungsfähiger, wenn man mehr die Ressourcen (Stärken, Fähigkeiten und unterstützende Faktoren) in den Blick nimmt, als die Probleme. Machen Sie sich eine Liste Ihrer Ressourcen….

Vielleicht entdecken sie in diesem Zusammenhang Fähigkeiten, die bislang kaum Raum hatten sich zu entfalten. Ich sprach neulich mit einer Mutter (am Telefon, da es schon zu Corona-Zeiten war), die mit ihrem Baby einen sehr heftigen, viel zu frühen Start hatte, der über Wochen von Angst und Sorge begleitet war. Sie sagt dann zu mir: „So schlimm das alles war, es hat mich sehr stark gemacht und meine Beziehung zu meinem Mann vertieft.”

Noch ein paar noch ein paar praktische Anregungen:

  • Sprechen Sie vorher als Paar darüber, was Ihnen helfen kann, mit der Situation umzugehen . was Sie brauchen…
  • Sagen Sie sich gegenseitig welche Fähigkeiten Sie im Anderen sehen, die genau jetzt zum Tragen kommen können.
  • Sprechen sie mit ihrem Baby, erklären ihm in einfachen Worten, was gerade los ist und warum es Ihnen so geht wie es Ihnen geht. Ihr Baby bekommt Ihre Sorgen und Emotionen ohnehin mit und darüber zu sprechen hilft dem Baby zu verstehen.
  • Sprechen Sie sich selbst, sich gegenseitig und Ihrem Baby Mut zu, dass sie das gemeinsam schaffen werden.
  • Wenn Sie gläubig sind, helfen Ihnen vielleicht auch Gebete und das Bewusstsein, dass Gott in dieser Zeit und auch bei der Geburt Ihnen nahe ist und Ihnen Zuversicht und Stärke geben kann.

Darüber hinaus kann ich die drei Maßnahmen, die Brigitte Meißner, eine Schweizer Hebamme, zusammengestellt hat, sehr empfehlen. Sie sind – unabhängig von Corona – dafür geeignet, emotionale Narben aus Schwangerschaft und Geburt aufzulösen. Passen aber sicher auch ganz gut in diese Zeit.

  • Der Herzensfaden kann sowohl in der Schwangerschaft als auch nach der Geburt eingesetzt werden. Sie als Mutter knüpfen gedanklich einen Faden von ihrem Herzen zum Herzen ihres Babys. Dabei stellen Sie sich am besten möglichst konkret vor, wie dieser Faden genau aussieht, welche Farbe, welches Material, wie dick, wie fühlt er sich an… . Dieser Faden ist, unabhängig vom Material auf jeden Fall unendlich dehnbar und funktioniert deshalb, falls notwendig, auch bei räumlicher Trennung. Zusätzlich können Sie als Vater natürlich auch diesen Faden zum Baby knüpfen und auch zwischen Ihnen als Paar ist er hilfreich, z.B. für die Zeit im Kreißsaal, in der der Vater (noch) nicht dabei sein kann. Dieser Faden schafft eine emotionale Verbindung, die unabhängig von räumlich Nähe ist und für beide Seiten spürbar ist. Führen Sie den Herzensfaden immer wieder durch, um das Bild fest in Ihrer Vorstellung zu verankern. Es kann hilfreich sein das Bild mit einer bestimmten Geste zu verbinden. Die passende Geste (Hand aufs Herz, mit einer Hand eine bestimmte Stelle des anderen Arms berühren…) hilft, das Bild auch unter den Wehen abrufbar zu machen.
  • Das Heilgespräch kann ebenfalls vor und/oder nach der Geburt stattfinden. Schaffen Sie sich eine ruhige Umgebung mit ihrem Baby, in der Sie nicht so leicht gestört werden. Während der Schwangerschaft, kann das Gespräch als innerer Dialog geführt werden, nach der Geburt ist es sinnvoll die Dinge auszusprechen. Caroline Eliacheff, Psychoanalytikerin, die mit Säuglingen und Kleinkindern gearbeitet hat, hat gesagt: „Ist es nicht ein Paradox, dass man solange angenommen hat, dass Kinder, welche die Sprache noch nicht beherrschen, sie auch nicht verstehen.“ Erzählen Sie Ihrem Baby wie Sie sich den gemeinsamen Start vorgestellt hatten und sagen Sie auch, dass sie als Familie da etwas verpasst haben. Erzählen Sie von Ihren Sorgen und den Umständen, natürlich für Kinderohren vereinfacht. Zum Abschluss können Sie etwas sagen wie: Der Start war jetzt anders als wir uns das vorgestellt hatten, aber wir machen da jetzt was Gutes draus.
  • Das Bindungsbad stellt einen Teil der Geburt nach, nämlich das Bonding. Wir schenken durch dieses Ritual dem Kind die Geburt und die Bindung neu. Der Mutter kann es helfen sich mit der Geburt zu versöhnen. Sie als Mutter legen sich mit nacktem Oberkörper auf das Bett, am besten mit einem großen, kuscheligen Handtuch unter sich. Ihr Baby wird von Ihnen als Vater (oder einer anderen Begleitperson) in einer Wanne oder Badeeimer möglichst neben dem Bett gebadet (sonst im Bad). Sprechen Sie dabei mit Ihrem Baby, erklären Sie ihm, dass das jetzt etwas Besonderes ist und es mit der Mutter etwas nachholen kann, was bei der Geburt nicht oder nicht in gewünschter Form stattfinden konnte. Dann bitten Sie das Baby um ein Zeichen, wenn es soweit ist, zur Mutter zu gehen. Häufig erkennen Sie das an einer Körperbewegung. Dann kommt das Baby nass und nackt zur Mutter (weil die Mutter geboren hat, soll sie es auch sein, die diesen Kontakt jetzt hat) auf die Brust und beide decken sich mit dem Handtuch zu. Jetzt gestalten Sie diese Zeit intuitiv nach Ihren Bedürfnissen und nach dem was Ihr Baby Ihnen zeigt. Das Bindungsbad ist heilsam auf der emotionalen, unbewussten Ebene vor allem für die Mutter und das Baby. Ihnen als ganzer Familie wird es aber auch gut tun Ihr Baby in einer selbstbestimmten Atmosphäre und einem selbstgewählten Rahmen nochmal ausdrücklich willkommen zu heißen.

Geben Sie den Emotionen, die kommen den Raum, den sie brauchen. Tränen bei Mutter und Kind sind nicht selten und können Trauer darüber ausdrücken, dass der Start nicht wie gewünscht gelaufen ist. Seien Sie möglichst darauf vorbereitet, dass das Baby in dieser Zeit hungrig werden könnte. Es empfiehlt sich das Bindungsbad 5-6x im Abstand von jeweils einer Woche zu wiederholen.  Auf der Seite von Brigitte Meißner www.herzensfaden.com finden Sie ein Merkblatt zum Bindungsbad.

Ich bin davon überzeugt, dass diese drei Maßnahmen sehr wirksam sind und das nicht nur in Zeiten von Corona, sondern immer dann, wenn Schwangerschaft und Geburt in irgendeiner Form belastend waren, für Sie als Mutter aber vielleicht auch nur für Ihr Baby. Wenn Sie diese drei Handlungen durchführen kann das die Bindung zwischen Mutter und Kind stärken, emotionale Narben bei beiden lindern und dadurch unter anderem Unruhezustände beim Baby reduzieren. Aber auch für den Vater sind der Herzensfaden, das Heilgespräch und das Miterleben/Anteilnehmen des Bindungsbades ein besonderes Erlebnis.

Gerne können Sie mir über die Kontakt Seite erzählen, was Sie mit diesem Vorgehen erlebt haben.