Mit Babys in schweren Situationen richtig sprechen

1024 683 Das Kind schaukeln

Mit Babys in schweren Situationen richtig sprechen

Es heißt immer wieder, dass ganz kleine Babys noch gar nicht verstehen, was man sagt. Sicher ist, das sie wahrnehmen, wie wir etwas sagen. Ich gehe sogar davon aus,

dass sie auch den Inhalt in Teilen verstehen. Deshalb ist es wichtig, mit Babys zu reden, das schafft Nähe, baut Stress ab und schafft oftmals auch Verständnis.

Die Kommunikation im Neugeborenen- und Säuglingsalter findet nicht hauptsächlich über sprachliche Inhalte, sondern über Mimik, Körperhaltung, Körperkontakt, Berührung, Sprachmelodie, Laute und anderes statt. Meine Erfahrung hat mich über die Jahre aber zu der Überzeugung gebracht, dass die Sprache vielleicht eine größere Rolle spielt, als vermutet. Nicht zuletzt hilft mir das Verbalisieren und Ausdrücken im Umgang mit den Babys, mich zu sortieren und zu erkennen wie es mir mit der Situation geht. Das wiederum ermöglicht es, in Stresssituationen gelassener zu bleiben.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Baby, nennen wir es Laura, durfte nach einer Bauch-OP über mehrere Wochen zu jeder Mahlzeit nur 5 ml trinken. Obwohl sie davon natürlich nicht satt wurde, konnte sie den Hunger tagsüber auf dem Arm ihrer Mutter gut aushalten. Abends, nachdem ihre Mama nach Hause gegangen war, brachte sie ihren Unmut über die knappe Ration um so lauter zum Ausdruck. Als ich neulich zum Nachtdienst kam, war sie wieder sehr unzufrieden mit der Gesamtsituation und schrie. Ich hatte einige andere kleine Patienten, um die ich mich auch kümmern musste. Also sagte ich zu ihr: „Laura, es tut mir wirklich sehr leid, das du nur so wenig essen darfst. Ich kann es auch richtig gut verstehen, dass du das doof findest und deshalb schreist. Es ist aber leider so, dass ich dir nicht mehr zu essen geben kann, weil es dir sonst schlecht gehen würde. Für uns beide ist es ganz schön anstrengend, wenn du so schreist. Da ich ja für mehrere Babys zuständig bin, kann ich dich auch nicht so trösten, wie ich das gerne tun würde. Am besten ist es, du schläfst so lange wie es dir möglich ist. Das schont deine Kräfte und meine Nerven.“ Kurz danach schlief Laura ein. Sie schlief bis 5.00 Uhr und trank dann voll Genuss ihre 5ml Milch.

Natürlich funktioniert ein Gespräch mit Babys nicht immer gleich gut, aber es bewirkt etwas. Probieren Sie es doch einmal aus:

  • Benennen Sie die möglichen Gefühle und Bedürfnisse Ihres Babys. Zum Beispiel „Du kannst nicht schlafen, weil du heute so viel erlebt hast“ oder „Du schreist und bist unzufrieden.“

  • Sagen Sie ihm auch, wie es Ihnen damit geht, ohne sie jedoch dafür verantwortlich zu machen. Formulieren Sie dies neutral, z.B. „Ich bin ganz schön platt, weil ich wenig geschlafen habe. Deshalb kann ich nicht so geduldig reagieren, wie ich es mir selbst wünsche.“

  • Schlagen Sie Ihrem Baby eine Lösung vor. Diese sollte nicht nur Ihre Wünsche widerspiegeln, sondern vor allem sein Bedürfnis im Blick haben. „Wenn du dich an mich kuschelst, kannst du ein wenig zur Ruhe kommen, entspannen und musst nicht mehr so schreien.“

Am besten üben Sie diese Form des Babygesprächs in entspannten Zeiten, dann fällt es Ihnen in Stresssituationen leichter. Und irgendwann entwickelt sich ein Dialog, Sie werden sehen, wie Ihr Baby reagiert, Sie versteht und auch antwortet.

Wie schon erwähnt, dies ist kein Erfolgsversprechen. Wenn Ihr Baby sich nicht beruhigen lässt, liegt das vielleicht daran, dass das Bedürfnis, den Unmut auszudrücken einfach größer ist, als der Wunsch nach Kooperation. Das kennen wir ja auch von uns, dass wir manchmal einfach zum Ausdruck bringen müssen, dass es gerade richtig schwierig ist, ohne dass wir zu diesem Zeitpunkt offen für eine Lösung oder Veränderung wären.

Wichtig ist, dass Sie es nicht beim Reden belassen, sondern neben dem Beruhigen auch versuchen herauszufinden, was die Ursache für das Schreien ist. Frische Windel, Schnuller, pucken, sanftes klopfen, nochmal auf den Arm nehmen, Wellness Musik und manches andere sind dabei bewährte Hilfsmittel.